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Welche Auslöser führten dazu, dass die Ausstellungsreihe 360 minutes Art ins Leben gerufen wurde?
Was gibt diese Ausstellung Menschen, die klassische Ausstellungen ihnen nicht geben können?


Die tägliche Reizüberflutung ist mittlerweile so groß, dass der Zugang zu Kunst für mich immer schwerer geworden ist. Ich wandere von Vernissage zu Vernissage, ohne die Kunstwerke richtig wahrzunehmen.
Die Idee von 360 minutes Art zwingt mich kurz innezuhalten. Ich habe keine Chance, die Kunstwerke später im Internet zu betrachten. Die einzige Möglichkeit, die Arbeiten zu sehen, ist in diesen 6 Stunden. Ich muss persönlich vor Ort sein.
Wir erschaffen eine Zeitblase, indem der Betrachter gezwungen ist, im Hier und Jetzt zu sein.
Kunst wird anders empfunden, wenn wir wissen, dass die Werke bald verschwunden sind.
Wie ein Damoklesschwert, das über den Arbeiten hängt. Ein solch intensives Gefühl wollen wir auch bei den Betrachtern der Werke auslösen.
Der Besucher wird einbezogen, er entscheidet, ob ein Werk weiter existiert oder ob es verbrannt wird.

Ein Journalist in Warschau schrieb davon, dass 360 minutes Art die Umkehrung des vorherrschenden Trends auf dem heutigen Kunstmarkt ist, dass Kunstwerke nur noch als reine Finanzanlage angesehen werden. Eine sehr interessante Aussage...


 
 
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Welche Vorwürfe werden euch zu diesem provokanten Konzept gemacht?
Ich kann mir vorstellen, dass nicht alle mit der Idee sympathisieren?

 

Die Veranstaltung polarisiert gewaltig. Dies verheimlichen wir auch nicht. Ganz im Gegenteil: Nach jeder Ausstellung veröffentlichen wir die Pressezitate, die zu 360 minutes Art gefallen sind - positive und negative. Einige empfinden es als "genial" und andere als "reißerisch".

Während die Kunstbegeisterten in Warschau und Seoul die Idee als Experiment verstanden und begeistert aufgenommen haben, wurden wir in Deutschland regelrecht beschimpft. Darf man Kunst verbrennen?
Die deutsche Kulturlandschaft scheint selbst nach 70 Jahren noch immer Schwierigkeiten zu haben, Kunst und Politik der Vergangenheit voneinander zu trennen. "Kultur darf nicht vernichtet werden - um keinen Preis" - dass dies jeder Künstler in seinem Schaffensprozess Tag für Tag macht, wird dabei völlig ausgeblendet. Immer wieder übermalen wir Bilder, die uns nicht gelungen scheinen. Von unserer eigenen Serie sieht nur jedes dritte Bild einen Ausstellungsraum. Die anderen beiden Arbeiten werden im Entstehungsprozess aussortiert und vernichtet.
Im Kontext mit dem Wort "verbrennen" wird diese Vernichtung von Kunstwerken jedoch politisiert und der Künstler darf seine eigenen Arbeiten nicht mehr zerstören. Eine interessante Reaktion, finden Sie nicht?

Erstaunlich vor allem deshalb, da es bei 360 minutes Art nicht um die Verbrennung geht, sondern darum, die  Vergänglichkeit spürbar zu machen.
Es geht darum, dass man nicht immer und überall alles haben kann. Dass man sich hier und jetzt für etwas entscheiden muss. Denn es gibt oft keine zweite Chance im Leben. Die Zeit kann ein gnadenloser Gegner sein - auch für die Kunst.

Kurioser Weise war es nicht die yellow-press, die mit Angriffen reagierte, sondern staatliche Museen und Galeriezusammenschlüsse, die uns im Fernsehen beschimpften und öffentlich zum Boykott aufriefen. Unsere Gegner kamen quasi aus den eigenen Reihen.
Um so erstaunter waren wir bei der zweiten Ausstellung in Warschau, da sich das Publikum tatsächlich mit der Idee hinter der Aktion auseinandergesetzt hat.
Diese konstruktive Auseinandersetzung ist einer der Gründe, warum wir nach Polen zurück kommen wollten.

 

Was war das teuerste Kunstwerk, das auf den letzten drei Ausstellungen verkauft wurde?
Hat irgendjemand versucht, die Verbrennung zu stoppen?

 

Der höchste Preis für ein Kunstwerk war 4500 Euro.  
Nicht nur für die Zuschauer gibt es Regeln während der Ausstellung. Auch alle Künstler, die daran teilnehmen, müssen sich bereit erklären, ein paar Regeln zuzustimmen.
Eine dieser Regeln besagt, dass die Kunstwerke einen Mindestwert nicht unterschreiten dürfen. Der Hintergrund dieser Idee: Bei den Zuschauern soll nicht der Eindruck entstehen, dass Restbestände auf der Ausstellung gezeigt werden, deren Verlust verkraftbar wäre. Dadurch würde die Erfahrung vernichtet werden, dass die Betrachter mit
todgeweihten Kunstwerken konfrontiert sind, dessen drohende Vernichtung einen Verlust für Künstler und Betrachter darstellt.

Im Nachhinein betrachtet war diese Sorge unberechtigt. Unsere Erfahrungen der letzten drei Ausstellungen war, dass die Höhe des Preises beim Kauf eines Kunstwerkes nicht ausschlaggebend zu sein scheint. 2/3 der verkauften Arbeiten waren in dem höheren Preissegment von 2500 Euro und mehr.

Wirklich interessant sind die verkauften Stückzahlen:
In Wiesbaden wurden 20 verkauft und 130 Kunstwerke verbrannt. In Warschau wurden 19 Werke Verkauft und 38 verbrannt. In Seoul wurden 17 Werke verkauft und 34 verbrannt.
Statistisch gesehen steigt die Zahl unserer verkauften Arbeiten von Ausstellung zu Ausstellung. Aber das sind eben auch nur mathematische Rechenspiele:
In allen drei Fällen wurde der Wert eines Mittelklassewagens am Ende des Abends verbrannt.

Das klingt alles recht unangenehm - aber die Ausstellung hat noch eine andere Seite:
In gerade einmal 3x6 Stunden haben insgesamt über 1900 Zuschauer die Kunstwerke gesehenen: Welche Kunstwerke bekommen schon die Möglichkeit von so vielen kunstinteressierten Menschen in so kurzer Zeit so intensiv betrachtet zu werden?
Dieses Erlebnis wird in den Köpfen der Menschen haften bleiben...

 

 
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Was glaubst du, würde passieren, wenn ein Sammler Werke von Van Gogh, Caravaggio, Picasso etc. unter ähnlichen Regeln wie 360 Minutes Art präsentiert?
Der Preis würde sehr hoch sein. Daher würden auf jeden Fall einige Kunstwerke brennen.
Wo würde der Unterschied liegen, wenn bei 360 minutes Art einer der weltweit größten Künstler seine Arbeiten verbrennen würde?

 

Es würde höchstwahrscheinlich sehr voll werden -  wir hatten bei den letzten drei Ausstellungen 1900 Besucher. Bei einem Van Gogh würden es wohl 10 000 Besucher werden.
Die Intention würde wahrscheinlich die gleiche sein: wie fühlt es sich an, ein Bild zu sehen, das nur in diesen 6 Stunden zu sehen ist?

Ich bin davon überzeugt, dass man es selbst erleben muss, um zu verstehen, welche Wirkung die Bilder auf einen haben.
Diejenigen, die dabei waren, sprechen im Nachhinein anders von der Ausstellung.
Ob die Besucher das Konzept der Ausstellung gutheißen oder nicht - sie werden sich zumindest damit auseinandersetzen. Mehr wollen wir als Künstler nicht erreichen.

 

 

 

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Gibt es eine Arbeit, die du niemals verbrennen würdest?

 

Als Künstler gehe ich mit dieser Frage etwas anders um: Der größte Kritiker unserer Werke sind wir selbst. Wir würden niemals zulassen, ein unfertiges Bild in eine Ausstellung zu geben. Ausgeschlossen. Aus genau diesen Gründen treiben wir manche Galeristen in den Wahnsinn, die auf eine neue Serie warten. Die Kategorie "Masterpiece" ist für die meisten Künstler bei ihren eigenen Werken daher schwer greifbar. Dies ist ein Attribut, das Kunstliebhaber unseren Arbeiten geben. Nicht wir selbst.
Aber hierzu gibt es eine Geschichte: In Warschau wurden 5 Bilder von Sa-Po ausgestellt. Doch eines dieser 5 Bilder zog eindeutig das meiste Interesse auf sich. Beinahe alle Gespräche drehten sich ausschließlich um dieses Bild. Als die Zeit abgelaufen war, waren 4 der 5 Bilder verkauft. Doch ausgerechnet dieses eine Bild, um das so viele Menschen den ganzen Abend gekreist sind, ging ins Feuer. Igor und ich waren komplett verwirrt. Was ist passiert?
Auf dem Weg zum Feuer hielt uns ein Besucher ein paar Scheine hin - er ist schnell zum Auto gerannt, um das Geld für das Bild zu holen. Doch die Zeit war abgelaufen. Unser "scheinbar" wichtigstes Werk wurde vernichtet. Das Wort "Masterpiece" ist dadurch für mich noch schwerer greifbar geworden.

 
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Können die Künstler während der Ausstellung gegenseitig Bilder abkaufen?

 

Klar können sie das - schließlich sind sie ebenfalls ein Teil der Menschen, die die Kunst wahrnehmen. Allerdings gelten auch für sie die gleichen Regeln: 50% des Ertrags gehen an den Veranstalter. Die Künstler bezahlen die gleichen Preise wie die Besucher.
Ein Rettungsversuch der eigenen Kunstwerke wird damit zu einer sehr teuren Angelegenheit.

 
 
 
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Du warst beteiligt bei der 3-fachen Emmy-Auszeichnung für  “Outstanding Special Visual Effects” - Game of Thrones. Was glaubst du, warum diese Serie so erfolgreich ist?

 

Game of Thrones spiegelt in vielerlei Hinsicht unsere Welt wider.
Wir werden täglich damit konfrontiert, dass in unserer Realität das Gute durchaus nicht immer gewinnt!
Ich glaube, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem die Zuschauer den Bezug zu  Disney-Geschichten nicht länger als glaubhaft empfinden.
G. Martin bringt seine Helden systematisch um. Seine komplexe Welt zeigt dem Zuschauer zu jedem Zeitpunkt: "Niemand ist sicher".
Dieser Bruch mit dem klassischen Geschichten-Erzählen übt einen Reiz aus.
Meiner Meinung nach hinterfragt Martin in seinen Büchern systematisch alle Machtstrukturen, die in unserer Welt vorhanden sind, auf ihre Beständigkeit. Jede Familie repräsentiert ein anderes Ideal oder eine andere Kernidee, wie Politik umgesetzt werden könnte.
Allerdings hat sich bisher ganz offensichtlich noch keine Machtform lange in seinen Büchern bewährt;)

 

Welche Dinge in der Kunst-Welt können dich noch berühren?

 

Die letzte Arbeit, die mich sprachlos gemacht hat, war die Bilderserie "Act of Forgiveness" von Arash Khamooshi.
Die Geschichte hinter den Bildern ist schrecklich und unglaublich schön zugleich.

Die Bilder zeigen, wie eine Mutter in der nordiranischen Stadt Qaem-Shahr den Mörder ihres Sohnes kurz vor der Hinrichtung begnadigt. Der 25-jährige Mörder hatte den Sohn der Frau erstochen. Statt des Stricks bekam der Täter eine Ohrfeige von der Mutter als Zeichen der Begnadigung. Die Bilder zeigen, wie sich nach der Begnadigung die Verwandten des Opfers und des Mörders weinend in den Armen liegen. Die Emotionen hinter diesen Bildern sind gewaltig...

http://www.worldpressphoto.org/collection/photo/2015/spot-news/arash-khamooshis how the majority of large cinematic events are created today.

 

 

 
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Kannst du uns schon ein Geheimnis vorab von 360 Minutes Art über eure Bilder verraten?

 

Niemals - ihr kennt die Regeln ;)

 

 

SVEN SAUER (born 1979) – German Digital Artist.
He describes his style of work as "romantic realism". Put directly - his specialist area is photos upon which new elements are "painted" using Photoshop.  He has directed Matte Painting Studio for five years.

 

Copyright by miastokultury

 

http://www.miastokultury.pl/disney-przestal-byc-wiarygodny/

 

Credit Interview:

Asia Adrian

 

Credit Matte paintings:

 www.pixomondo.com