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The Art of Horror
10 years Halloween-Design

 

Wie kamen sie zu dem Halloween-Festival?

 

Sven Sauer

Ursprünglich war ich Maskenbildner für FX-Masks. Dies waren Latex-Masken, die direkt auf das Gesicht aufgeklebt wurden. Dadurch blieb die Mimik der Akteure erhalten.1999 sprach mich Mathias an, ob ich nebenbei das neue Festival-Plakat gestalten möchte. Ich muss zugeben, dass mich die Anfrage zuerst nicht wirklich gereizt hatte...
Die Vergangenheit der Halloween-Poster war dominiert durch ein Chaos verschiedener Stile. Beinahe jedes Jahr wurde das Motiv von einem neuen Designer gestaltet. Ein einheitliches Erscheinungsbild oder zentrales Motiv existierte nicht. Dementsprechend groß war der Berg an Arbeit, der auf mich wartete. Mathias überzeugte mich, indem er mir freie Hand bei der Entwicklung ließ.
Es folgten 2 Monate Nachforschungen und Marktbeobachtungen. Die Konkurrenz war zu diesem Zeitpunkt erstaunlich rar. Der Halloween-Boom, wie wir ihn heute in Deutschland kennen, sollte erst 5 Jahre später beginnen. Viele Einflüsse, die das heutige Design bestimmen, kamen daher aus dem Ausland. Wir fanden heraus, dass unsere Kernzielgruppe Kinogänger und Freunde von Computerspielen waren.
So flossen einige Inspirationen aus dem Erscheinungsbild von Half Life (1) in die Halloween-Gestaltung. Morbide Strukturen, zerkratzte Oberflächen. Die abgebildeten Monster präsentieren sich mehr und mehr wie Schauspieler auf Kino-Plakaten.
Kurioserweise enthielt bereits das erste Poster den orangen Farbcode des Festivals, der bei dem Design-Relaunch 2006 die zentrale Rolle für das heutige Design spielen sollte.



 

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Die Plakate der ersten Jahre wechselten jedes Jahr ihre Farbe. Warum diese Farbenpracht?

 

Sven Sauer

Die Plakate, wie sie heute existieren, sind das Ergebnis eines langjährigen Design-Prozesses. Sie sind Stück für Stück entstanden. Wie ein Puzzle-Spiel. Wir haben am Anfang viel ausprobiert.
Natürlich lächle ich heute darüber, dass wir jedes Jahr die Farbe gewechselt haben...
Diese kleine Gestaltungssünde verhinderte erfreulicher Weise nicht, dass die Plakate immer häufiger vom Straßenrand entwendet wurden...

 

Mathias Bührer

Um zu verhindern, dass unsere Werbemittel auf der Straße gestohlen wurden, legten wir ab 2005 die übrig gebliebenen Halloween-Plakate auf dem Festival aus. Damit blieben wenigstens unsere Aufsteller unbetroffen...

 

Sven Sauer

Ich glaube, ab diesem Moment realisierten wir erst, dass es tatsächlich richtige Fans geben musste. Davor waren die Plakate lediglich ein Präsentationsmittel des Festivals...
Diese Ereignisse führten dazu, dass wir 2006 ein Relaunch des gesamten Erscheinungbildes entwickelten. Die Monster laufen nun im grellen Licht der untergehenden Sonne auf die Betrachter zu. Diese "Einleitung der Nacht" durch den Sonnenuntergang und das damit "Erscheinen der Monster" wurden die Kernidee des neuen Auftritts. Das Erwachen der Dunkelheit, mit all ihren Geschöpfen.
Viel entscheidender war jedoch der neue Umgang mit den Halloween-Medien. Da wir wußten, dass Fans sich unter anderem über die Poster ect. mit dem Festival identifizierten, entstand die Idee, bereits hier ihren Spieltrieb zu aktivieren. Die kleinen Freuden des Entdeckens, das sie auf dem Festival suchen, bereits in die Print-Medien einzubauen...

 

Mathias Bührer

Es entstanden Sammelkarten der Monster. Diese wurden insbesondere an den Familientagen ausgegeben. Statt erschreckt vor den Monstern davon zu laufen, jagten sie ihnen nun hinterher, um ein Autogramm zu ergattern. Die Karten halfen dabei, die Berührungsängste zu reduzieren.

 

Sven Sauer

Unsere Besucher sollten sich spielerisch mit dem Festival auseinandersetzen. Nach und nach versuchten wir, alle Halloween-Medien mit einem Zusatznutzen zu versehen, der die Fans begeistert, vielleicht sogar selbst aktiv werden läßt.
Beispielsweise fanden wir heraus, dass es vielen Besuchern schwer fällt, eine Verkleidung für Halloween zu finden. Wir entwickelten daraufhin das Papier-Schnittmuster einer 3-dimensionalen Frankenstein-Maske, die aus dem Netz heruntergeladen werden konnte.

Auch in dem neuen Halloween-Plakat spielen wir mit dem Betrachter: Aus der Ferne erkennt man nur einen Totenschädel. Betrachtet man das Motiv jedoch genauer, verwandelt sich der Schädel in Monster, die auf einen zugelaufen kommen.
Die dunklen Schatten werden lebendig. Jeder, der durch die verwinkelten Ecken der Burg gelaufen ist, kennt dieses Gefühl...

 

 

 

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Dieses Jahr kommt erstmals ein Halloween-Trailer heraus. Dieser wurde jedoch nicht von euch, sondern von "Besuchern" aufgenommen. Was hat es damit auf sich?

 

 

Mathias Bührer

Wir überlegen bereits seit einigen Jahren, wie ein Halloween-Trailer aussehen könnte.
Es liegen eine ganze Anzahl an Konzeptionen vor, die zwar einen spannenden Clip versprachen - an dem entscheidenden Punkt jedoch versagten: Jede von uns nachgestellte Szene, schafft es nicht, das "Gefühl" zu vermitteln, wenn der Besucher das erste mal die Burg betritt. Unsicherheit, Furcht, Nervosität - all diese Begriffe sind nur schwer greifbar - und noch schwerer zu konstruieren.

 

 

Sven Sauer

Aus dieser Not heraus beschlossen wir letztes Jahr, ein Experiment einzugehen:
Wir gaben drei Besuchern, die das Festival zum ersten Mal besuchten, Kameras in die Hände. Sie sollten nun den Besuch des Festivals aus ihrer Sicht aufnehmen...

 

 

Die Szenen im Trailer sind also real?

 

Sven Sauer

Genau - und diese Realität hätten wir nicht simulieren können.
Wir gaben drei Besuchern eine Kamera in die Hand und erlebten den Abend durch ihre Augen: Schreie...wie sie vor Monstern davon liefen...wie sie sich weigerten, an bestimmten Stellen im Burggraben weiter zu gehen.
Wir erhielten authentische Aufzeichnungen von Erlebnissen, wie sie tatsächlich auf der Burg wahrgenommen wurden...
direkt im Kontakt mit den Monstern zu sein, Freiwild für 60 Psychopathen, die grunzend hinter dir herlaufen...
Die entstandenen Bilder sind keineswegs schön, gut ausgeleuchtet, dramatisch inszeniert...
Das meiste Material war unscharf. Lange Strecken sahen wir lediglich auf einen schwarzen Monitor.
Paradoxerweise kommen diese Aufnahmen unserem Sehverhalten auf der Burg Frankenstein erschreckend nahe. Ich erinnere mich noch an meine ersten Besuche bei Halloween: Jeder dunkle Winkel schien etwas zu verbergen, schien lebendig, wartete auf mich...und plötzlich waren diese zwei Zombies hinter mir her...und ohne dass ich es richtig begriffen hatte, war ich auch schon am Rennen...Flucht...und die Gestalten hinter mir her...durch den halben Burggraben...pures Adrenalin.
Die Aufnahmen zeigen die gleichen Erlebnisse...das suchende Auge, das versucht, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, obwohl es dort Dinge sehen wird, die es eigentlich gar nicht sehen möchte...
Sie spiegeln oftmals die Aufnahmen eines gehetzten Tieres wider. Jemand, der auf der Flucht ist...und dies alles mit seiner Mobil-Kamera dokumentiert.
Wie schon gesagt: Das Gruseln ist eine paradoxe Angelegenheit.
Ich füge mir künstlich einen Alptraum zu, vor dem mich mein Geist flehend warnt, die Eintrittskarte nicht zu kaufen...

 

 

 

 

 


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Du betreust das Festival konzeptionell nun bereits seit 10 Jahren. Dies ist ein ungewöhnlich langer Zeitraum...

 

Sven Sauer

Unser Vorteil ist, dass wir das Festival von beiden Seiten kennen: von der des Besuchers- aber auch der des Veranstalters und der Walking-Acts.
Viele Konzeptionen, die auf dem Papier gut klingen, lassen sich bei der Veranstaltung nur schwer umsetzen. Aus technischen Gründen, aus logistischen Gründen...
Hierzu gibt es eine schöne Geschichte: In den ersten Jahren entwickelten wir einen Vampir-Live-Act, bei dem drei vermummte Gestalten mit wehendem Mantel die Burgmauer herunter schwebten. Befestigt an Seilzügen ließen sie sich in einen Käfig voller Zuschauer hinab, um sich ein Opfer zu suchen...
Um diesen Effekt zu dramatisieren, richteten wir an der Mauer einen Bewegungsmelder ein, der zum passenden Moment die gesamte Mauer erhellte.
Der Bewegungsmelder hatte den Vorteil, dass die Beleuchtung von der zentralen Regie unabhängig ausgelöst wurde. Die Monster waren dadurch flexibler und konnten besser auf die Besucher eingehen.
Das erste Wochenende lief hervorragend. Doch am zweiten Halloween-Wochenende begann es, in Strömen zu regnen. Dies ist erst mal keine Besonderheit - Ende Oktober muß man mit diesen Niederschlägen rechnen.
Eine Stunde vor dem Öffnen der Pforten gab es einen gewaltigen Schlag und die gesamte Burg stand im Dunkeln...
Panisch liefen die Techniker mit Taschenlampen durch den Burghof, um die Sicherungskästen zu kontrollieren. Kurze Zeit später war der größte Teil der Burg wieder beleuchtet - doch dann ein weiterer Schlag. Dunkelheit. Während die Besucher bereits vor den Toren auf den Einlass warteten, rannten die Techniker die gut 15 Kilometer verlegten Kabel ab, um den Verursacher des Black-Outs zu finden...
Etwa eine Stunde später stand ein Techniker mit hoch rotem Kopf vor mir. In seiner Hand hielt er eine mir recht vertraute Box...völlig durchnässt.

Wir haben aus dieser Erfahrung gelernt. Ein Open-Air-Festival in dieser Jahreszeit wirft ganz eigene Regeln auf - einfache Feuchtigkeitsisolierungen reichen lange nicht mehr aus.
Der Einsatz von komplexem technischem Gerät in dieser feuchten Umgebung wirft viele Probleme auf.

 

 

 

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Welche Ideen sind für die nächsten Jahre geplant? Und mit welchen Problem kämpft ihr heute?

 

Mathias Bührer

Unser Fokus der letzten Jahre liegt in der Interaktion der Besucher. Das heißt, wie können wir den Zuschauer noch stärker in das Geschehen einbinden - ihn selbst aktiv werden lassen...
Spiele reduzieren Berührungsängste und brechen Blockaden auf. Sein Publikum spielend zu aktivieren birgt enormes Potential bei der Vermittlung einer Geschichte.
Jedes Jahr entstehen neue Events, die sich auf kreative Weise mit der Thematik "Gruseln" auseinandersetzen. Es ist auffällig, dass die Grenzen zwischen Computerspiel und Live-Events immer stärker verwischen...

 

Sven Sauer

Für 2010 ist ein Special geplant, dass sich mit der Pest auseinandersetzt...
Der Besucher wird in eine Zeit zurück versetzt, in dem mehr Menschen ums Leben gekommen sind, als in allen Kriegen davor...
Dies schien uns tragisch genug, den schwarzen Tod wieder auf der Burg Frankenstein wüten zu lassen...
Für dieses Thema entwickeln wir gerade ein Tracking-System, dass die Bewegung der Besucher erkennt und aufzeichnet.
Eine Projektion überzieht den Boden mit zahlreichen Ratten, die wild umher laufen.
Der Besucher wird zum Magnet für die Ratten. Nach und nach verfolgen immer mehr Tiere das Publikum, um ihre Tod bringende Krankheit zu übertragen. Die Körper der Besucher werden zum medialen Interface. Viele dieser Ideen kommen ursprünglich aus der Computerspiel-Industrie und werden nun, vom Monitor gelöst, in unsere Umgebung übertragen.

Die ersten Tests laufen gut. Die Ratten verfolgen die Zielpersonen - die Projektion funktioniert...
Bis hierhin - gut. Ein System, welches jedoch in Labor-Situationen funktioniert, muss auf dem Festival noch lange nicht funktionieren...
Was passiert beispielsweise, wenn mehrere Personen die Projektionsfläche gleichzeitig betreten?
Zu wem gehen die Ratten? Und nun stellen Sie sich vor, dass 2500 Besucher pro Abend über das Fest pilgern...
Dieses Beispiel verdeutlicht das Problem, mit dem wir gerade kämpfen. Nicht jede gute Idee lässt sich auch tatsächlich umsetzen.

Auf dem offenen Burggelände werden die Regeln jedes Jahr neu geschrieben...

 

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Beschilderung des Festival-Geländes

 

 

 

   

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Halloween 1999 - 2006

 

 

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